Bericht über den Besuch im Jugendzentrum Tivoli am 13.11.2009
Im April 2009 feierte das Jugendzentrum Tivoli, eines der 4 Stadtteiljugendzentren des Vereines Jugendhilfe Innsbruck, Eröffnung. Der Leiter des Hauses, Mathias Windischer wurde von Beginn an auch in die architektonische Entwicklungs-planung und Konzeptionierung des Gebäudes und der Anlage mit einbezogen.
3 wichtige Punkte wurden baulich mitberücksichtigt:
1) Möglichkeit der vielfältigen Nutzung
2) Ausschalten der Lärmproblematik
3) Entstehung eines multifunktionalen Gebäudes.
Das Jugendzentrum bietet Platz für 300 Personen gleichzeitig.
Zu Stoßzeiten halten sich derzeit ca. 150 Jugendliche im Innenbereich auf. Während den Öffnungszeiten sind dort immer 3 JugendarbeiterInnen zugleich im Dienst. Das Zielpublikum ist zwischen 13 und 18 Jahren (Öffnungszeiten: Mo-Sa 16-21 Uhr). Es gibt aber auch eine U 13-Zeit (Mi 14-16 Uhr). Die unter 13-jährigen müssen jedoch spätestens um 18 Uhr das Jugendzentrum verlassen. Für dieses relativ junge Publikum zwischen 10 und 13 Jahren wird immer ein spezielles Freizeitangebot von den JugendarbeiterInnen vorbereitet.
Jugendliche die älter sind als 18 Jahre (max. bis 20) werden entweder mit einem Ritual offiziell verabschiedet oder bekommen mehr Verantwortung übertragen und müssen zum Beispiel Jüngere betreuen, ihnen etwas beibringen, vermitteln.
Derzeit setzt sich das aktuelle Publikum aus 70% Jugendlichen mit ex-jugoslawischen Migrationshintergrund (2. und 3. Generation) und aus österreichischen, türkischen, tschetschenischen und russischen Jugendlichen zusammen.
Das Jugendzentrum besteht aus einem Kellerbereich, dem Erdgeschoß, einem 1. Stock mit Gallerie. (ca. 800m²) Grundsätzlich sind alle Räume über einen großen übersichtlichen Hauptraum mit Bar zugänglich. Zu den zentralen Hausregeln zählen Alkohol und Rauchverbot im und ums Gebäude. Der Skaterpark im Außenbereich ist nur durch Sicherheitsglas getrennt und somit ist das Geschehen draußen zum Großteil beobachtbar. Eine eingebaute Lärmschutzdecke dämpft die Geräusche im und ums Haus erheblich ab. Innenarchitektonisch gesehen wirkt der Raum durch die Kombination der Materialien Holz und Sichtbeton. Die Sichtbetonwand ermöglicht den Jugendlichen eine individuelle Raumgestaltung, die immer wieder veränderbar ist. (Bilder, Poster ect.) Holz wirkt warm und wohnlich und mildert die kühle Atmosphäre der Wand ab.
Regelmäßig finden im Jugendzentrum größere Veranstaltungen, wie Turniere, Wettbewerbe, auch auf den anliegenden Sportplätzen (die allgemein öffentlich zugänglich sind) statt. Auf dem Skaterplatz befindet sich immer ein Jugendarbeiter zur Betreuung aufgrund des Haftschutzes und es besteht Helmpflicht für die unter 16-jährigen. Die Helme werden direkt im Jugendzentrum gratis verliehen.
Neben dem Hauptraum gehören ein Abstellraum (Stuhllager für größere Events), Toiletten, ein größerer Raum für Meetings und für die Büroarbeit und ein Vorraum mit Zugang zum Lift und zu den Treppen nach oben und nach unten, zum Jugendzentrum Tivoli. (behindertengerecht) Im Keller befinden sich 3 Proberäume, ein DJ-Raum, ein Tanz/Bewegungsraum mit gelenksschonendem Schwingboden, eine Werkstatt und Räume für Vereinsnutzung (Vereine, die mit Jugendlichen arbeiten). Alle Räume sind versperrbar und werden an vertrauenswürdige Jugendliche, bzw. Gruppen oder mit Betreuungsperson vergeben. Im Untergeschoß sind alle Fenster durch Dreifachisolierglas geschützt und durch bewusste Belichtung wurde eine typische Kelleratmosphäre vermieden.
Ein spezielles Zugangskonzept macht die Benützung der Proberäume für die Bands leichter. Es besteht ein eigener Eingang für das Jugendzentrum und die Proberäume sind mit einem eigenen Schlüssel separat zugänglich. Jeder der Proberäume wird von 3 Bands genutzt, die sich zu unterschiedlichen Zeiten darin aufhalten. Die Instrumente sind Eigenbesitz und die Bandmitglieder dürfen das Alter von 26 Jahren nicht überschreiten. Die Nutzung kostet pro Band beträgt 40€ im Monat und wird vertraglich fixiert. (unbefristet, jederzeit auf beiden Seiten kündbar)
Den Tanz/Bewegungsraum dürfen jüngere Jugendliche nur unter Aufsicht benutzen. Bei älteren, vertrauenswürdigen Personen wird einem bestimmten Jugendlichen die Gruppenleitung und somit die Verantwortung übergeben.
Der 1. Stock mit dem Gallerienbereich wurde so gestaltet, dass eine Wohnzimmeratmosphäre entstand. Besonders schön ist auch die herrliche Aussicht über die Nordkette auf der einen Seite und zum Patscherkofel auf der anderen. Getränke und Snacks dürfen nicht mit nach oben genommen werden, um übermäßige Verschmutzung zu vermeiden. Im oberen Stock gibt es einen Internetraum mit 2 PCs (kostenpflichtig), einen Fernsehraum und einen Projekt/Konferenzraum, der häufig von den Mädchen benützt wird.
Mankos: Laut Windischer ist die Unübersichtlichkeit der vielen Räume, vor allem auch im 1. Stock schwierig. Er empfiehlt lieber etwas kleiner zu bauen, auch wegen der hohen Personalkosten. Denn je mehr Quadratmeter, umso mehr Personal wird notwendig. Derzeit arbeiten 5 MitarbeiterInnen im Jugendzentrum. (Leiter 40h, 3 MitarbeiterInnen jeweils 25h, 1 Person 20h) Es sind immer 3 Betreuungspersonen gleichzeitig anwesend. Das Team besteht aus 3 Männern und 2 Frauen.
Leschinger (Jugendreferent der Stadt) weist darauf hin, dass nun im Nachhinein unter großem Aufwand und sehr kostspielig Kameras installiert werden müssen, um das Problem des Vandalismus in den Griff zu bekommen.
Insgesamt gesehen ist das Jugendzentrum Tivoli meiner Ansicht nach eine architektonisch beeindruckende und gelungene Einrichtung.
Weitere Infos und Bilder unter http://www.vereinjugendhilfe.at/
Anwesend: Bmst. DI Barbara Eibinger, Monika Greil, Hans Neuner, Paul Kneußl, Christian Zabernig, Sandra Pfoser
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